Über

 

Eigentlich gibt es über mich nicht wirklich viel zu sagen. Ich bin 25 Jahre alt. Wenn man aufrundet (so wie meine Krankenkasse), bin ich bereits 30, und ab 30 solls ja bekanntlich bergab gehen. Ich arbeite bei einer kleinen Lokalzeitung, wo ich meine langweilige Arbeit damit verbringe, peinlich genau auf die Fehler der automatischen Silbentrennung zu achten. Meine Wohnung ist etwa so groß wie die Vorratskammer meiner Großmutter und trotzdem viel zu teuer. Ich habe eine große Schwester, Lydia, die Rechtsanwältin und damit der Stolz meiner typischen Schrebergrätner-Eltern ist. Und ich habe einen kleinen Bruder, Ole, der in einem Wohnwagen lebt und es tatsächlich immer wieder schafft, schöne blonde Frauen davon zu überzeugen, dass dieser Wohnwagen ein Raumschiff ist.

Nun ja, ich bin nicht schön und nicht blond, kämpfe jeden Morgen mit fantastisch unreiner Haut und habe Haare auf der großen Fußzehe. Jeden Tag höre ich auf dem Weg zur Arbeit "All by myself" von Celine Dion und verfluche dabei das Beschleunigungsvermögen meines alten Ford Fiesta. Wie gern würde ich auch mal das Ampelanfahren gewinnen, verdammt!

Ansonsten besteht mein Leben darin, vollkommen normal zu sein und eine Vorliebe für Cheeseburger zu haben.

Wieso ich euch das erzähle? Ich weiß es nicht.

 


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Blog

Von Superstars und der großen Ungewissheit

Heute hatte ich einen freien Nachmittag. Ich habe ihn damit verbracht, eins meiner winzigen Fenster zu putzen, die Klobürste auszutauschen und im Radio all die Lieder zu hören, die die vollbusigen, jugendlichen Mädchen und die knallharten, faltenträchtigen Jungs der aktuellen DSDS-Staffel leider viel zu oft total versemmelt haben. Obwohl ich immer schimpfe, habe ich doch keine Entscheidung verpasst - dabei hatte ich allerdings nie "Haut von Gans" - nur Auge von Huhn, und das seit mehreren Monaten, doch ich streube mich erbärmlich vor einem Gang zum Podologen. Nichtsdestotrotz (ich verwende dieses Wort so unglaublich gern, weil es aus 3 vollkommen bedeutungsdivergenten Wörtern besteht) fiebere ich mit meiner Kollegin Maria seit einer Woche hin zum morgigen Finale, das ich mit jeder Menge Straciatellaeis und Pommbärchen verbringen werde. Mein Favourit ist selbstverständlich Fady - die Redundanz einer Erklärung ist offensichtlich. Und während Deutschland morgen Nacht seinen neuen Superstar finden (und nach dem bereits traditionellen Chart-Abkacken wieder verlieren) wird, bin ich noch immer auf der Suche nach der großen Liebe. Ich weiß selbst, dass das wahnsinnig melodramatisch und unmodern klingt, aber so ist es nunmal. Und ich warte darauf, dass das Schicksal mir Steffen direkt vor die Nase stellt und ich nur noch zugreifen muss - im richigen Moment. Selbstverständlich wäre ich mit Jude Law, Daniel Craig oder Zachary Quinto friedlich zu stimmen. Nur als Alternative.

Aber noch scheint das Schicksal einen gigantischen Bogen um mich zu machen und sich tief in den Himalayas zu verkriechen. Aber vielleicht gibt es das auch gar nicht: "Schicksal". Was meint ihr?

1 Kommentar 16.5.08 17:15, kommentieren

Familienausflug

Wie ich mir schon gedacht habe, hat sich Ole seit seinem überstürzten Besuch nicht mehr bei mir gemeldet. 210 Euro, die ich gut in Fanta und Salzstangen hätte investieren können. Kommendes Wochenende sind Ole, Lydia und ich zum Mittagessen bei unseren Eltern eingeladen. Eine gute Möglichkeit, Ole zur Rede zu stellen, doch ich vermute, er wird seinem Ruf alle Ehre machen und entweder gar nicht oder sturzbetrunken mit einer neuen Freundin in den gepflegten Vorgarten meiner Eltern schneien. Immerhin redet er mit meinem Vater seit Jahren nicht mehr, doch meine Mutter versucht nach wie vor, "die Familie zusammenzuhalten". Ich bewundere sie für ihr Durchhaltevermögen.

Mein kleiner Bruder Ole, der gerade mit viel Lärm und alkoholischen Getränken seinen 20. Geburtstag gefeiert hat, war bis zu seinem 16. Lebensjahr völlig normal. Meine Theorie: Aliens sind auf unserem skurrilen Planeten gelandet, haben sein Gehirn mit dem eines Seehundes ausgetauscht und übertragen seitdem den Quotenschlager "Ole von der Erde" auf ihrem kleinen grünen Planeten. Ich erinnere mich noch gut an diesen Samstagmorgen, der so langweilig war wie die neue Heckenschere, die mein Vater gerade stolz präsentierte. Ole betrat die Küche mit einem seltsam aufrechten Gang und hinter ihm schlich schüchtern ein dunkelhaariges, zierliches Mädchen im Nachthemd. Seit diesem Tag hält sich Ole für einen Herzensbrecher und verbringt seine Zeit nicht mehr mit Hausaufgaben, sondern mit Gitarrenunterricht und viel älteren Jungs in Lederjacken. Das war der Anfang des Übels: Einen Monat später stand die Polizei vor unserer Tür, Ole hatte CDs geklaut. Ein Jahr später flog er von der Schule, weil er die geringe Zeit seiner Anwesenheit damit verbrachte, Mitschüler zu verprügeln und Lehrer zu beleidigen. Mit 18 flog er dann auch bei meinen Eltern raus und bewohnt seitdem einen uralten Wohnwagen, in dem es immer nach Bier und Schweiß riecht.

Ehrlich gesagt: Ole und Lydia können gar nicht verwandt sein! Meine große Schwester war schon immer eine Musterschülerin, anständig, bescheiden, intelligent, zielstrebig, das Lieblingskind meiner Eltern, auch wenn sie sich Mühe gaben, ihre Vorliebe für Lydia zu verbergen. Lydias Geschichten waren immer ein bisschen aufregender, ihre Zeugnisse immer ein bisschen besser als meine. Nur ein bisschen, doch das reichte, um aus ihr eine erfolgreiche, steinreiche Anwältin zu machen. Ich habe kaum Kontakt zu ihr, dafür ist sie viel zu beschäftigt - und ich gebe vor, es auch zu sein, um etwas von ihrem coolen Business-Touch abzubekommen. Sie hat seit sieben Jahren einen Freund, der ein immer perfekt gekleideter Notar ist. Lydia ist mir in den letzten Jahren so fremd geworden, dass ich keine Worte mehr finde, wenn wir uns auf den seltenen Treffen bei meinen Eltern gegenüber sitzen. Es fühlt sich traurig an, und irgendwie falsch.

Meine Mutter hat immer gesagt, was Lydia zu viel hat, hat Ole zu wenig. Lydia erregte Aufsehen durch ihre Unerschütterlichkeit, durch ihren Ehrgeiz und durch ihr Talent - Ole hingegen durch Randale, Provokation und katastrophalen Musikgeschmack. Doch bei all dem blieb nie Aufmerksamkeit für mich übrig.

1 Kommentar 15.5.08 13:13, kommentieren

Frühstückspause

Für die meisten ist die Frühstückspause das Highlight des Tages. Einfach alles stehen und liegen lassen und ohne Rücksicht auf Verluste in die Caféteria oder an die frische Luft rennen - denn den letzten beißen ja bekanntlich die Hunde. Dann werden hochmotiviert die Nachrichten der letzten Stunde diskutiert, über die Damen aus der Buchhaltung gelästert und neue Gerüchte in die Welt gesetzt. Dichter Zigarettenqualm brennt den wenigen Nichtrauchern unter uns in den Augen. Eine halbe Stunde, dann kehren alle mit triefendem Gelächter in ihre stickigen Büros zurück.

Ich verbringe meine Frühstückspause am liebsten am Schreibtisch. Hier, wo der Bildschirm hin und wieder bei günstiger Sonneneinstrahlung mein Gesicht reflektiert und ich mich zwischen meinen kokosnussbraunen Kolleginnen kränklich blass fühle. Nicht nur blass, sondern auch aufgedunsen, ungeschminkt, completely underdressed, nicht schön, nicht schlank, nicht interessant. Für niemanden.

Da ist Maria: Sie ist immer sehr nett zu mir. Sie ist die Jüngste der Belegschaft und trotzdem diejenige mit dem größten Redeanteil. Ausnahmslos immer. Seit ihrer Verlobung vor gut einem Monat mit einem Tennisspieler trägt sie stolz einen funkelnden Ring an der Hand. Mir scheint, ihr Permanent-Lächeln ist seitdem noch strahlender geworden. Ich würde mich gern für sie freuen, aber ihr wisst schon, wie das so ist mit dem Neid.

Dann ist da noch Luise, Ende 20, Kettenraucherin, Dauerkundin in Solarien, Nagel- und Fitnessstudios. An jeder Ecke geschminkt, blondiert und gewachst. Sie ist nicht besonders hübsch, aber ihr könnt euch vorstellen, dass mit Lippenstift und Miniröcken einiges rauszureißen ist.

Zum Schluss noch Elisabeth, kurz: Betty. Sie hat einen wahnsinnig schrägen Sinn für Humor und einen außerordentlich breit gefächerten Männergeschmack - wenn ihr versteht, was ich meine. Ihre aktuellen Eroberungen lassen ihr hin und wieder Blumensträuße ins Büro liefern oder holen sie nach der Arbeit mit benzinfressenden Riesenautos ab. Sie hat eine eigene Kolumne, wofür ich töten würde - meinetwegen auch sie, denn ich mag sie ohnehin nicht sonderlich.

Das sind also die Leute, mit denen ich tagtäglich 8 Stunden in einem Raum verbringen muss. Und darum bleibe ich in der Frühstückspause lieber dort, wo sie definitiv nicht sind: Bei der Arbeit.

1 Kommentar 15.5.08 10:55, kommentieren

Der perfekte Morgen

Wollt ihr wissen, wie ich mir das alles vorgestellt habe? Passt auf:

Mein Tag beginnt damit, dass ich ohne das lästige Surren meines Weckers vollkommen schmerzfrei erwache. Ich hatte in der letzen Nacht weder einen Wadenkrampf noch lag ich auf meiner Hand bis sie einschlief. Ich reibe mir kurz die Augen, die Sonne scheint mir ins Gesicht, ein kleines Eichhörnchen hüpft über die Äste der großen Eiche vor meinem Fenster. Gerade als ich mich umdrehen will, um aus dem Bett zu steigen, kommt Steffen (natürlich vollkommen kleidungsfrei) mit einem Tablett ins Schlafzimmer, setzt sich auf die Bettkante, gibt mir einen Kuss und haucht in mein Ohr "Heute nehmen wir uns mal frei".

So viel zur Theorie. Wollt ihr wissen, wie mein Tag normalerweise beginnt? Also dann:

Mein neuer Billigwecker von Kik reißt mich aus wirren Träumen. Ich schiele durch die Jalousien meines winzigen Guckloches nach draußen auf graue Häuser. Mein Mund macht der Wüste Gobi Konkurrenz und mein Rücken scheint die Nacht ohne mich durchgemacht zu haben. Ich drehe mich mühsam zur Seite und blicke in die großen dunklen Augen meines Laptops, der in den Standby-Modus gefahren ist, als mir youtube ausgedient hatte und ich eingenickt war. Während ich darauf warte, dass meine Füße wieder Gefühl bekommen, bin ich in Gedanken schon längst drei Stockwerke tiefer. Als ich damals in diese Wohnung gezogen war, wusste ich genau, dass mir das McDonalds im Erdgeschoss irgendwann zum Verhängnis werden würde. Aber wie sagt man so schön? Wenn du niemanden mehr hast, dann ist der Cheeseburger dein einziger Freund. Oder so ähnlich... Und so starte ich in den Tag mit jeder Menge Kalorien und ungelebter Fantasien.

14.5.08 18:02, kommentieren

Kommen > Nehmen > Gehen

Vor einer halben Stunde (ich las gerade Kunderas "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" zum 95. Mal und schmorte dabei unerbitterlich in der heißen Nachmittagssonne) klingelte es Sturm an meiner Tür. Meine Hoffnung: Steffen und ein gigantischer Strauß rote Rosen strahlen mich an, wenn ich gleich völlig verschwitzt die Tür öffne. Meine Angst: Ein Rudel hungriger Wölfe wirft sich über mich und zerfleischt mich in meinem ganzen jämmerlichen Dasein. Wie immer trug die Realität meinen Hoffnungen kaum Rechnung. Ole, mein jüngerer Sorgenbruder, stand vor der Tür. Du siehst gut aus, schwarz macht dich schlank, nicht dass du fett wärst, fett ist überhaupt so ein starkes Wort, stabil gebaut, stabil sein ist ja was Gutes. Hallo Ole. Er wollte mal vorbeischauen, mich fragen, wie es mir geht und ob ich immer noch für die Post arbeiten würde. War es die Post? Jedenfalls irgendwas Gelbes. Ole interessierte sich immer nur dann für mich, wenn er etwas brauchte. Geld, ein Alibi, ein Asyl, einen gut gemeinten Rat, den er doch nie annahm. Zwei Bier und drei neue Grübelfalten später rückte er endlich raus mit der Sprache. Die Gitarre, du weißt doch, wie wichtig sie mir war, sie haben sie mir geklaut. Schweine. Ich bring sie um. Und der Auftritt morgen. Muss ne neue holen. Drüben beim Holger, du weißt doch, der mit dem Bart, der dir gesagt hast, du solltest Schlagzeug spielen, so rhythmisch wie du aufn Boden stampfst. Man, das war witzig. Es war beleidigend. Eigentlich. Nur 200, nur fürn Übergang, morgen hast dus wieder, echt. Ole hatte mir noch nie Geld zurück gegeben. Du bist doch meine Lieblingsschwester. Lyddie killt mich doch, wenn ich die anschnorre, weißt du doch, sie ist besessen, voll durchgeknallt. Ole und Lydia hatten schon immer eine Neigung dafür gehabt, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Bitte Emmi, du weißt, auf mich kannste dich verlassen. Ich schwörs. Glaubte man Oles Schwüren, so wären sämtliche Rockgiganten und unsere halbe Familie bereits drei Mal im Grab. Eine meiner Schwächen: Mitleid. Ich gab ihm 200 Euro, noch 10 Euro für die Bahn und Ole war schneller verschwunden, als ich sagen konnte "Ole ist der schlimmste Bruder der ganzen Welt". Ist er wirklich, glaubt mir. Er ist genau wie der Rest der Welt:

Kommen > Nehmen > Gehen. Ohne Blick zurück.

 

12.5.08 18:39, kommentieren

Hinterhoffantasien

Steffen ist ein Mann, wie ich ihn mir schon als Teenager in meiner Fantasie vorgestellt habe: Erfolgreich, ehrgeizig, talentiert, gutaussehend, selbstbewusst, charismatisch, beliebt, begehrt, von Gott direkt auf den Allerwertesten geküsst. Mein Traummann. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Als ich vor vier Jahren bei seiner Zeitung anfing, hatte ich mich nicht auf einen längeren Aufenthalt vorbereitet. Ich wollte nur die Zeit bis zu meinem ersten großen Erfolg als Buchautorin überbrücken, von dem ich dann für den Rest meines Lebens in einer Villa am Palm Beach leben und sündhaft teure Cocktails schlürfen könnte. Aber bald bekam ich einen eigenen Schreibtisch, auf dem ich Fotos, Glücksbringer und endlos viele Schafe aufstellte (Schafe sind meine Lieblingstiere). Und so vergingen die Jahre, aus dem Buch ist nie etwas geworden und somit verbringe ich nun Tag für Tag meine Zeit damit, unbedeutende Artikel über Schulgärten und Kegelvereine zu schreiben. Ein Trauerspiel, wenn ich nicht hin und wieder Steffen über den Weg laufen würde. Natürlich halte ich es für ein Gerücht, dass ich immer dann leere Seiten über den Kopierer vor den Toiletten laufen lasse, wenn er mal für kleine Jungs ist.

Vor einem Jahr auf einem dieser mir so sehr verhassten Firmenfeste gab er es bekannt. Diese wunderschöne intelligente Frau, die neben ihm saß und umhaucht war von purem Glück - er wird sie heiraten, sie seien schon länger verlobt und wollen es nun bekannt machen, ist ja gut, die Glückwünsche hebt euch für die Hochzeit auf. Jenny heißt sie. Vielleicht die Kurzform von "Jennifer" oder "Jeanette" oder "garstiges Weib, das mir das Leben zerstört". Immer trägt sie tiefe Ausschnitte, die ihre perfekt geformten Schlüsselbeine betonen. Sie zeigt äußerst gern ihre solariumerprobte Haut. Manchmal holt sie ihn zur Mittagspause ab und legt ihre Hand ganz selbstverständlich auf seine Schulter oder auf seinen Hintern. In meiner Fantasie ist sie die hysterische, frigide Ehefrau und ich seine heiße Geliebte. Ich habe eine außerordentliche Fähigkeit, mich so lange in Fantasien hineinzusteigern, bis sie über mir zerbrechen und mich mit der grausamen Wahrheit erschlagen.

Gestern wurde der Hochzeitstermin bekannt gegeben. 1.Juli 2008. Fortuna spuckt mir wieder einmal mitten ins Gesicht: Mein Geburtstag.

1 Kommentar 12.5.08 16:19, kommentieren

Die Hummel ist zu fett und trotzdem fliegt sie. Oder etwa nicht?

Ich verrate euch ein Geheimnis: Salzstangen schmecken am besten, wenn man sie 30 Sekunden in Fanta aufweichen lässt und sie anschließend zusammen mit einem Stück Zartbitterschokolade in den Mund nimmt. Das ist, zugegeben, keine neue Erkenntnis, aber dennoch die einzige Weisheit, die ich dem gestrigen Abend abgewinnen konnte. Meine Kollegin (Maria, 20, klein, blond, verlobt) kam wie immer ein paar Minuten zu spät und veranstaltete ein umso dramatischeres Klingelkonzert, als ich mich lustlos vom Balkon zur Wohnungstür schleppte. Ich stieg in ihr winziges Auto und schwieg sehr melodisch zu ihrem eindrucksvollen Redeschwall. Wir fuhren zu dem mittelständigen Restaurant, vor dem unzählig viele Autos parkten. Ich stieg aus und tötete dabei ein Dutzend Ameisen. Das war das Highlight des Abends. Der Rest lässt sich am Besten so zusammenfassen: Trinken, Essen, Schweigen, Schweigen, Lächeln, Bauch einziehen, Trinken, Essen, Essen, Schweigen, Schweigen, Schweigen. Fast alle aus der Firma waren gekommen, auch Steffen, mein Chef, mit seiner Verlobten. Und natürlich war ihr Kleid perfekt auf seine Krawatte abgestimmt: Champagnerfarben! Welch Ironie...

Ehrlich gesagt: Ich mag das Gefühl, wenn mir nach dem zweiten Schluck Rotkäppchen-Sekt ein Kribbeln in die Knie steigt. Und erst recht das Gefühl, wenn ich nach dem zweiten Glas meine Gedanken nicht mehr bündeln kann und sie quer durch meinen Kopf fliegen und hin und wieder an meinen viel zu weit vorstehenden Schläfen anecken. Das kitzelt irgendwie und erinnert mich an meinen Kater Bello (ich hatte schon immer einen Sinn für Humor), der vor ein paar Jahren gestorben war. Also dachte ich gestern Abend an meinen Kater, an mein Kleid von Dolce & Gabbana, das ordentlich im Schrank hing, und ich dachte an Steffen. Das war leicht, schließlich waren seine klugen Witze und seine charmanten Kommentare vom anderen Ende des Tisches kaum zu überhören und nachdem die zwanzig Kerzen, die quer über die Tafel verteilt waren, bis zur Hälfte abgebrannt waren, konnte ich sogar hin und wieder einen Blick auf sein rechtes Ohr erhaschen. Traumhaft.

Halb zwölf stieg ich müde und leicht beschwipst aus Marias Auto und öffnete die große Tür zum Treppenhaus. Ich hatte genug Sekt getrunken, um die Augen zu schließen, mit meinen Füßen die Stufen zu ertasten und mir auf dem Weg nach oben in den dritten Stock vorzustellen, dass ich ein champagnerfarbenes Kleid anhatte.

1 Kommentar 12.5.08 10:21, kommentieren