Die Hummel ist zu fett und trotzdem fliegt sie. Oder etwa nicht?

Ich verrate euch ein Geheimnis: Salzstangen schmecken am besten, wenn man sie 30 Sekunden in Fanta aufweichen lässt und sie anschließend zusammen mit einem Stück Zartbitterschokolade in den Mund nimmt. Das ist, zugegeben, keine neue Erkenntnis, aber dennoch die einzige Weisheit, die ich dem gestrigen Abend abgewinnen konnte. Meine Kollegin (Maria, 20, klein, blond, verlobt) kam wie immer ein paar Minuten zu spät und veranstaltete ein umso dramatischeres Klingelkonzert, als ich mich lustlos vom Balkon zur Wohnungstür schleppte. Ich stieg in ihr winziges Auto und schwieg sehr melodisch zu ihrem eindrucksvollen Redeschwall. Wir fuhren zu dem mittelständigen Restaurant, vor dem unzählig viele Autos parkten. Ich stieg aus und tötete dabei ein Dutzend Ameisen. Das war das Highlight des Abends. Der Rest lässt sich am Besten so zusammenfassen: Trinken, Essen, Schweigen, Schweigen, Lächeln, Bauch einziehen, Trinken, Essen, Essen, Schweigen, Schweigen, Schweigen. Fast alle aus der Firma waren gekommen, auch Steffen, mein Chef, mit seiner Verlobten. Und natürlich war ihr Kleid perfekt auf seine Krawatte abgestimmt: Champagnerfarben! Welch Ironie...

Ehrlich gesagt: Ich mag das Gefühl, wenn mir nach dem zweiten Schluck Rotkäppchen-Sekt ein Kribbeln in die Knie steigt. Und erst recht das Gefühl, wenn ich nach dem zweiten Glas meine Gedanken nicht mehr bündeln kann und sie quer durch meinen Kopf fliegen und hin und wieder an meinen viel zu weit vorstehenden Schläfen anecken. Das kitzelt irgendwie und erinnert mich an meinen Kater Bello (ich hatte schon immer einen Sinn für Humor), der vor ein paar Jahren gestorben war. Also dachte ich gestern Abend an meinen Kater, an mein Kleid von Dolce & Gabbana, das ordentlich im Schrank hing, und ich dachte an Steffen. Das war leicht, schließlich waren seine klugen Witze und seine charmanten Kommentare vom anderen Ende des Tisches kaum zu überhören und nachdem die zwanzig Kerzen, die quer über die Tafel verteilt waren, bis zur Hälfte abgebrannt waren, konnte ich sogar hin und wieder einen Blick auf sein rechtes Ohr erhaschen. Traumhaft.

Halb zwölf stieg ich müde und leicht beschwipst aus Marias Auto und öffnete die große Tür zum Treppenhaus. Ich hatte genug Sekt getrunken, um die Augen zu schließen, mit meinen Füßen die Stufen zu ertasten und mir auf dem Weg nach oben in den dritten Stock vorzustellen, dass ich ein champagnerfarbenes Kleid anhatte.

12.5.08 10:21

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen